„Wir müssen unser Produkt besser verkaufen !“

Lu Harrecker (stellv. Regionsvorsitzender), Geschäftsführer Michael Scharold, Simon Geierstanger (1. Vorstand 1860 Fanclub Waging am See e.V.) und Christian Schmidbauer (ARGE Region 6 Vorstand).

Waging a. See. Nach zwei Stunden Fahrzeit hatte sich der Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München, Michael Scharold, durch das Schneechaos von München nach Waging durchgekämpft. Grund war sein Besuch als Ehrengast bei der Winterregionsversammlung der ARGE Region 6 (Zusammenschluss der 1860-Fanclubs) im Strandkurhaus. Gastgeber war der Fanclub Nummer 180 aus Waging am See.

Regionsvorsitzender Christian Schmidbauer aus Waging begrüßte Scharold. Unter den Gästen war auch Ex-Löwen-Trainer Werner Lorant. Als Wahl-Waginger hatte der 70-Jährige ein Heimspiel. Aus Schmidbauers Vita über den 38-jährigen Geschäftsführer ging hervor, dass er als Hospitant nach seinem Studium unter der Geschäftsführung Stefan Reuter und Dr. Markus Kern vor zehn Jahren bei den Löwen begann. Über die Finanzabteilung des FC Schalke 04 (von 2010 bis 2017) kehrte Scharold im April 2017 zu den „Giesingern“ zurück. Dort war er zunächst als Leiter der Abteilung Finanzen tätig. Nach dem Ausscheiden von Markus Fauser wurde der Bad Endorfer am 9. Januar 2018 als dessen Nachfolger bestimmt.

„Ein Jahr Geschäftsführer, wie ist ihr Resümee?“ Mit dieser Frage übergab Schmidbauer das Wort an den 1860-Geschäftsführer. „Es war ein sehr intensives Jahr, aber wir können auf das Erreichte stolz sein“, erklärte Scharold. Seit 1991, dem Spiel gegen Borussia Neunkirchen (1:0), sei er Löwen-Fan, erlebte unter Werner Lorant den Durchmarsch von der Bayern- in die Bundesliga mit. „Danke, Werner, dass du den Verein vor 25 Jahren wieder nach oben gebracht hast.“

Trotz aller Turbulenzen und dem Fall bis in die Regionalliga gehört der TSV 1860 für Scharold zu den „Top-20-Vereinen“ in Deutschland. „Leider sind wir momentan sportlich und wirtschaftlich weit davon entfernt!“

Um dort wieder hinzugelangen, setzt der 1860-Geschäftsführer bei seinem Weg der Konsolidierung vor allem auf Kontinuität: „Wir müssen frühzeitig wissen, wie wir in die nächste Saison gehen und wir sollten den eingeschlagenen Weg dann mindestens die nächsten drei Spielzeiten verfolgen und nicht Jahr für Jahr alles in Frage stellen.“ Kontinuität und Verlässlichkeit seien bei Spielern, Sponsoren und Mitarbeitern ganz entscheidende Faktoren.

Derzeit übersteigen beim TSV 1860 München die Ausgaben die Einnahmen um etwa 2,5 Millionen Euro. „Entweder wir reduzieren die Kosten oder wir steigern mittelfristig den Ertrag“, so die beiden Konzepte, die Scharold  den Gesellschaftern vorgestellt hat. Bei Variante zwei müsste kurzfristig das Defizit mit externen Geldern ausgeglichen werden.

Um die Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu steigern, brauche es bei den Löwen „professionellere Strukturen“, so Scharold. „Jeder muss sich so positionieren, dass er sein Produkt Profifußball am besten monetarisiert. Das ist ein wesentlicher Teil des Wettbewerbs im Profifußball. Hierfür benötigen wir auch eine stringente Markenkommunikation.“

An dieser Stelle hakte Werner Lorant ein: „Sponsoren kannst du nur über Erfolg gewinnen“, formulierte der früheren Bundesligatrainer seine Bedenken.

Auch in Sachen Stadion müsste nach Ansicht von Lorant etwas geschehen. Scharold verwies in diesem Zusammenhang auf die von der Stadt München in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie fürs Grünwalder Stadion. „Sicher können wir mit 25 000 Zuschauern in Giesing mehr erreichen, als mit einem 30 000-Mann-Stadion auf der grünen Wiese“, ist für ihn der jetzige Standort auch für die Zukunft eine Alternative. „Allerdings ist auch klar, dass das Stadion im aktuellen Zustand keine Zukunftslösung sein kann.“

In den höchsten Tönen lobte der 1860-Geschäftsführer die Arbeit von Sportchef Günther Gorenzel sowie Trainer Daniel Bierofka. „Daniel ist nach Werner Lorant wahrscheinlich der erste Trainer, der zu hundert Prozent zu Sechzig passt.“ Die Qualität im aktuellen Kader sei gut. „Vielleicht fehlt uns als Aufsteiger noch die Souveränität und Abgeklärtheit. Auch das Glück war nicht immer auf unserer Seite. Aber wir sollten vor allem mit dem erreichten zufrieden sein.“

Ein viel diskutiertes Thema bei den Fans war die Personalie Adriano Grimaldi, der gegenüber dem Klub seine Wechselabsicht geäußert hat. „Für einen Wechsel müssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen“, stellte Scharold klar. „Er fährt zwar nicht mit ins Trainingslager, aber die Tür ist nach wie vor offen. Wir sind nach wie vor absolut von seiner Qualität überzeugt.“

Lange diskutierten die Fans noch mit den beiden Gästen über ihre große Liebe, dem TSV 1860 München. Tickets, Fanpolitik, Freundschaftsspiele in der Region und vieles mehr. Zum Abschluss bedankte sich Scharold bei den Fans für ihre Treue und übergab das Geschenk zum 40-jährigen Fanclub-Jubiläum der Waginger Löwen an den Vorsitzenden Simon Geierstanger.

Text und Foto: Thomas Donhauser