Als Rudi Gutendorf und die Löwen das Olympiastadion überfüllten

Rudolf "Rudi" Gutendorf trainierte Teams in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten, darunter auch der TSV 1860 München. Dort saß er bei einem legendären Rekordspiel gegen Augsburg auf der Bank. Für Rudi Gutendorf war Fußball stets mehr als nur ein Job. Fußball war die Leidenschaft, die bis an sein Lebensende - Gutendorf verstarb am vergangenen Freitag - der absolute Lebensmittelpunkt war. Das Guinness-Buch der Rekorde führt in als den Trainer mit den meistern internationalen Engagements. 54 Trainerstationen werden gelistet.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nannte Gutendorf einen "Fußball-Botschafter", der frühere Präsident des Internationalen Fußballverbands FIFA, Sepp Blatter, bezeichnete ihn als "Fußball-Aufbauhelfer". Vor allem in kleinen Ländern - von Botswana bis Trinidad und Tobago - genoss Gutendorf einen exzellenten Ruf. "Rudi Gutendorf war weltweit ein herausragender Botschafter des deutschen Fußballs, was er für das Ansehen des deutschen Trainerwesens in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten geleistet hat, ist einzigartig." DFB-Vizepräsident Rainer Koch in einer Verbandsmitteilung.

In Deutschland führt ihn der Weg unter anderem zum VfB Stuttgart, Schalke 04 - und in der Spielzeit 1973/74 auch nach Bayern zum TSV 1860 München. Die Löwen spielten damals in der Regionalliga Süd, eine der zweithöchsten deutschen Spielklassen der damaligen Zeit. Wie Gutendorf zu den Löwen kam? Der Trainer habe im noblen Münchner Bayerischen Hof von den Trainersorgen der Sechziger gelesen - und spontan seine Dienste angeboten, so die Legende.

Gutendorf, der TSV 1860 und ein Spiel vor 90.000 Zuschauern

Das erklärte Saisonziel war der Aufstieg. Die Mannschaft wurde hochkarätig verstärkt, unter anderem kam Wilhelm Bierofka, Vater des heutigen Löwentrainers Daniel, zum TSV 1860. Den Aufstieg verpassten die Löwen am Saisonende als Dritter, Gutendorf musste gehen. Hängengeblieben aus dieser Saison ist aber bis heute ein einmaliges Rekordspiel im Münchner Olympiastadion. Es war der 15. August 1973, der 2. Spieltag der Regionalliga Süd. Zu Gast in München: der FC Augsburg mit Helmut Haller, der aus Italien zurückgekehrt war. Haller war der Publikumsmagnet schlechthin, der FCA soll in dieser Saison einen Heimspielschnitt von 23.000 Zuschauer verzeichnet haben. Und nach München, so die Schätzungen, waren 30.000 bis 35.000 FCA-Fans mitgereist. 79.000 Karten waren verkauft worden, nach Spielbeginn - so berichten Augenzeugen - stürmten rund 10.000 weitere Besucher das Stadion. Rund 90.000 Fans sollen die Partie, die 1:1 endete, am Ende verfolgt haben. Ein bis heute einmaliger Rekord für das Münchner Olympiastadion.

Quelle: BR24