DER TRAUM ENDETE, DER STOLZ BLEIBT

Als Fußballer zu Popstars wurden: Nie war eine österreichische Fußballmannschaft einem Europacupsieg näher als Austria Salzburg vor 25 Jahren.

Das Jahr 1994 wird kein Salzburger Fußballfan jemals vergessen. Aber nicht nur die eingefleischten Fußballfans, auch Großmütter und Geschäftsleute, die das Spiel mit dem Ball wenig begeistern konnte, entdeckten plötzlich ihre Liebe zum Fußball. Eine ganze Nation drückte Austria Salzburg vor 25 Jahren kräftig die Daumen. Am 11. Mai 1994 endete dann im UEFA-Cup-Finale ein Traum.

Heimo Pfeifenberger, Kapitän und Gesicht dieser Salzburger Truppe, erinnert sich auch heute noch gern zurück an diese Zeit, die den Salzburger Fußball prägen sollte. "Es war schon verrückt, im Prinzip waren wir wie Popstars. Es gab Fotoshootings für den "Rennbahn-Express", die Teenies haben vor dem Stadion gekreischt. Im Fußball war das damals noch sehr unüblich. Während einer einzigen Autogrammstunde haben wir 1500 Autogramme oder sogar noch etwas mehr geschrieben. In einem Einkaufszentrum in Linz sind einmal die Scheiben eingebrochen, weil 4000 Leute von hinten gedrückt haben, nur um ein Autogramm und ein Foto zu bekommen", erzählt der Publikumsliebling, der auch wegen der sensationellen Leistungen 1994 zum Salzburger Jahrhundertfußballer gewählt wurde.

"Österreich für Salzburg - Salzburg für Österreich." Unter dieses Motto stellte Rudolf Quehenberger den UEFA-Cup in der Saison 1993/1994. Der damalige Präsident der Austria und Vater des Salzburger Fußballwunders, der innerhalb von zehn Jahren ein Zweitligateam zur Europareife führte, hatte das richtige Gespür, als er mit seiner Mannschaft nach Wien auszog, um dort Salzburger Fußballgeschichte zu schreiben. Die Austria erreichte sensationell das UEFA-Cup-Finale. Am 11. Mai 1994 endete mit der 0:1-Finalniederlage im Mailänder Meazza-Stadion vor 80.000 Zuschauern der Traum vom Titelgewinn. Auch 25 Jahre danach sind die Europacuphelden von damals noch in aller Munde, treffen sich immer wieder wie auch am Samstag bei Sepp Schwaiger vom Hotel SEPP in Maria Alm, um sich an diese Zeit zu erinnern.

Euphorie in ganz Österreich

Der Traum vom Gewinn des UEFA-Pokals erfüllte sich zwar nicht, aber schön war die Zeit dennoch. Obwohl das Schicksal der Mannschaft besiegelt war, wurde in der Mozartstadt eine Nacht lang durchgefeiert - als ob Heimo Pfeifenberger und Co. den Pokal gewonnen hätten. Es gab keinen Austria-Anhänger, der auch nur im Geringsten enttäuscht gewesen wäre. Diese Mannschaft hatte es mit ihrer sympathischen Art geschafft, Österreich zu vereinen. 6000 österreichische Fans waren am 11. Mai 1994 nach Mailand gereist und eroberten dort mit violetten Fahnen und Schals den Platz vor dem Dom. Und auch im Stadion boten sie den 74.000 Inter-Anhängern lautstark Paroli - es herrschte Gänsehautfeeling pur.

Ganz Österreich lag in einer euphorischen Art und Weise einer Fußballmannschaft zu Füßen, wie man es noch nie zuvor erlebt hatte. Wie verbunden die Salzburger mit ihrer Austria waren, zeigte eindrucksvoll, dass im Lehener Stadion 13.000 Menschen das Finalspiel von Mailand auf einer Videoleinwand verfolgten - und dafür auch Eintritt zahlten.

Selbst jene, die mit Fußball sonst wenig am Hut hatten, fieberten mit den "Eurofightern". Diese Salzburger Mannschaft, die den Fußballstolz einer ganzen Nation für ein halbes Jahr lang wachgeküsst hatte, polarisierte nicht. Sie vereinte Alt und Jung. Großmütter entdeckten plötzlich ihre Liebe zum Fußball und auch der damalige Bundespräsident Thomas Klestil kam zum Plausch mit Kulttorhüter Otto Konrad nach Salzburg ins Hotel Sacher.

Was machen die Helden heute?

"Das Finale in Mailand war das beste Spiel, das ich je von einer Salzburger Mannschaft gesehen habe", schwärmt Rudi Quehenberger noch heute. In dieser Truppe habe einfach alles gepasst. Noch immer bekommt Quehenberger feuchte Augen, denkt er an die glorreichen Tage von damals. "Wer dabei sein durfte, wird es niemals vergessen." Und was ist aus den Europacuphelden von damals geworden? Fast alle sind dem Fußball auf irgendeine Art treu geblieben. Adi Hütter schrieb just zum 25-Jahr-Jubiläum als Frankfurt-Trainer ein weiteres Europacupmärchen mit. Auch Heimo Pfeifenberger, Nikola Jurcevic, Heribert Weber, Hermann Stadler, Otto Konrad, Wolfgang Feiersinger, Martin Amerhauser und Leo Lainer geben oder gaben ihre Erfahrung auf verschiedenen Ebenen der Trainerbranche weiter.

So wie auch Michael Steiner, der den ungewöhnlichsten Lebenslauf aller 94er-Helden vorweisen kann. Er beendete die aktive Karriere früh, arbeitete lang als Kellner und fand via Red-Bull-Nachwuchs zurück zum Fußball. Heute ist er Sportlicher Leiter des Frauenfußballzentrums in St. Pölten.

Vom Streben nach maximalem Erfolg wie einst unter Trainer Otto Baric kamen selbst die Aussteiger aus der Kickerbranche nicht los. Peter Artner hat sich nach der Fußballerlaufbahn als Produzent edler Gläser einen Namen gemacht. Christian Fürstaller war 1994 der wohl letzte Nebenerwerbsfußballer in einem Europacupfinale. In seiner steilen Karriere im Logistikgewerbe schloss sich der Kreis, denn er steht heute gemeinsam mit seinem früheren Arbeitgeber Rudi Quehenberger und einem Partner an der Spitze der Augustin Quehenberger Group. Das Titelbild der Homepage zeigt die versammelte Belegschaft - wen wundert's - auf einem Fußballplatz.

Quelle: Salzburger Nachrichten